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Wenn Sie ausgebrannt sind und trotzdem nicht die Notbremse ziehen, reagiert Ihr Körper irgendwann mit einem Kollaps – im schlimmsten Fall sogar mit Todesfolge.

   

Karoshi

Stress und Überlastung können lebensbedrohlich sein – es kommt zum Totalausfall aller Körperfunktionen. In Japan ist dieses Phänomen keine Seltenheit. Die Bezeichnung „Karoshi“ bedeutet „sich zu Tode arbeiten“. Jedes Jahr sterben ca. 10.000 Menschen in Japan an diesem stressbedingten Kollaps, für den bei der Autopsie selten eine körperliche Ursache feststellbar ist.

     

Bericht eines Unternehmensberaters über seine Arbeit an stressintensiven Projekten im Bereich Offshore-Engineering:

„...Ca. ein Jahr lang arbeitete ich an einem wichtigen und dringenden Projekt in einer entfernten Stadt, so dass ich jede Woche per Flugzeug pendelte. Während dieses Jahres musste ich mit ansehen, wie drei meiner Kollegen aufgrund der übermäßigen Arbeitsbelastung zusammenbrachen. Zwei von ihnen brachen während der Mittagspause in der Kantine zusammen, der dritte verlor in seinem Büro das Bewusstsein. Ein weitere Kollege hatte im Alter von 35 Jahren einen Herzinfarkt.

 

Außerdem lernte ich Johan* kennen. Er hatte gerade seine Doktorarbeit beendet, als er zum Projektleiter ernannt wurde - ein zielstrebiger, hart arbeitender 34-Jähriger, verheiratet, zwei Kinder, neue Villa. Er war der große Newcomer der Firma und arbeitete rund um die Uhr. Wir unterhielten uns gelegentlich und verstanden uns sehr gut. Nachdem er das Projekt erfolgreich abgeschlossen hatte, wurde er im ganzen Unternehmen für seine hervorragende Arbeit gelobt. Nach diesem Projekt sah ich Johan vier Jahr lang nicht. Als ich wieder einmal beruflich in der Stadt war, ging ich zu einem der Restaurants, wo wir damals häufig zusammen zu Mittag gegessen hatten. Und da traf ich Johan, am helllichten Tag, völlig betrunken. Er hatte dem erbarmungslosen Druck noch zwei Jahre länger standhalten können, bis langsam alles in sich zusammenfiel. Er kündigte seinen Job, seine Ehe zerbrach und er fing an zu trinken. „Alles ging den Bach runter. Ich konnte einfach nicht mehr weitermachen. Ging einfach nicht mehr...“, murmelte er in sein Glas. Er wollte nicht darüber sprechen. Soviel ich weiß, hat er bis heute weder einen neuen Job gefunden noch sein Leben in den Griff bekommen. Im Alter von 34 Jahren war er völlig ausgebrannt.

 

Das hört sich jetzt vielleicht nach Einzelfällen an, aber das sind sie leider ganz und gar nicht. Ich habe jahrelang in der Werbe- und Kommunikationsbranche gearbeitet und weiß daher, dass diese Fälle an der Tagesordnung sind. Es ist alarmierend zu sehen, wie viele Menschen versuchen, den eigenen Ansprüchen und den enormen Anforderungen ihrer Kunden und ihres Arbeitgebers gerecht zu werden und sich dabei zugrunde richten. Einige sind durch den Druck und die Belastung völlig ausgelaugt, andere versuchen, ihre Probleme im Alkohol zu ertränken.

 

* Name aus Datenschutzgründen geändert

   

 

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